Krankschreibung: Das sollten Sie wissen!


Krankschreibung: Das sollten Sie wissen!

Jedes Jahr werden in Deutschland Millionen von Krankschreibungen ausgestellt. Doch viele Menschen haben noch immer falsche Vorstellungen darüber, wann eine Krankschreibung tatsächlich gerechtfertigt ist. Auf was Sie achten sollten und welche Mythen es gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Fakten über die Krankschreibung

Krankschreibung ist ein wichtiges Instrument, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen. Eine Krankschreibung aufgrund einer Erkrankung, einer Verletzung oder eines Unfalles dient dazu, den Arbeitnehmern eine Pause von ihrer Arbeit zu gönnen und sich von einer Erkrankung zu erholen. Die Krankschreibung wird in der Regel vom behandelnden Arzt bzw. von der Ärztin ausgestellt.

Welchen Teil der Krankmeldung schicke ich wohin?

Bei einer Krankschreibung stellt der behandelnde Arzt oder Ärztin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, welche aus drei Teilen besteht – jeweils ein Exemplar für

  • Ihre Unterlagen,
  • zur Weiterleitung an Ihren Arbeitgeber sowie
  • zur Weiterleitung an Ihre Krankenkasse.

Welches Exemplar Sie an Ihren Arbeitgeber oder die Krankenkasse schicken, steht als Hinweis auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (z.B. “Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber” bzw. „Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse).

Wichtiger Hinweis: Prüfen Sie vor dem Versand der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, welches Exemplar Sie an wen versenden. Auf dem Exemplar der Krankenkasse stehen die Diagnosen Ihres behandelnden Arztes oder Ärztin. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass Ihr Arbeitgeber die Ausfertigung für die Krankenkasse mit der Diagnose erhält.

Auf der Ausfertigung des Arbeitgebers steht – neben Ihren persönlichen Kontaktdaten und Ihrer Versicherungsnummer – lediglich der Zeitraum für die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Der Arbeitgeber hat keinen Anspruch auf die Erkrankungsdetails des Arbeitnehmers. Dies ist eine Privatsache und sollte als solche behandelt werden.

Wie lange kann eine Krankschreibung maximal ausgestellt werden?

Die Krankschreibung ist in der Regel für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen gültig. In manchen Fällen kann sie jedoch auch länger oder kürzer sein. Die Krankschreibung kann auch mehrmals hintereinander verlängert werden, sollte der Arzt dies für nötig erachten.

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass die Erkrankung des Patienten länger als sechs Wochen andauern wird, kann er eine sogenannte Langzeitkrankschreibung ausstellen. Diese ist in der Regel für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten gültig und kann bei Bedarf verlängert werden.

Wichtig: Die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber erfolgt bis zu 6 Wochen. Ab 6 Wochen durchgehende Arbeitsunfähigkeit müssen Sie als Arbeitnehmer persönlich Krankengeld bei Ihrer zuständigen Krankenkasse beantragen.

7 Mythen über die Krankschreibung

Es gibt viele Mythen über die Krankschreibung in der Arbeit, welche die Leute davon abhalten, sich krankzumelden, wenn sie es sind. Diese Mythen können dazu führen, dass Menschen weiterarbeiten, obwohl sie krank sind, was zu einer Ausbreitung der Krankheit führen kann. Lassen Sie uns einige dieser Mythen über die Krankschreibung aufklären.

Mythos #1: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Krankschreibung anzuerkennen

Der Arbeitgeber kann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zurückweisen, wenn der Verdacht besteht, dass es sich um eine Gefälligkeitsbescheinigung handelt und der Arbeitnehmer in Wahrheit krankfeiert. In begründeten Fällen drohen dann arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung.

Der „gelbe Schein“ besitzt grundsätzlich einen hohen Beweiswert. Der Arbeitgeber muss Tatsachen vortragen, die „ernsthafte und begründete Zweifel“ an der attestierten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen, um diese zu erschüttern.

Wenn Sie krank sind, sollten Sie sich ausruhen und erholen, damit Sie bald wieder gesund werden. Arbeitgeber bevorzugen jedoch Mitarbeiter, die selten krank sind und immer pünktlich zur Arbeit erscheinen. Wenn Sie also anfangen, häufig krank zu feiern oder sich ständig krank melden, riskieren Sie arbeitsrechtliche Konsequenzen. Auch wenn Sie Tätigkeiten nachgehen, die Ihrer Genesung schaden, kann dies negative Folgen für Sie haben.

Also denken Sie daran: Krank zu sein ist kein Spaß – es ist besser, gesund zu sein und zur Arbeit zu gehen!

Mythos #2: Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst ab dritten Krankheitstag notwendig

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Arbeitnehmer sich unverzüglich krankmelden müssen – und spätestens nach dem dritten Krankheitstag eine vom Arzt ausgestellte Krankschreibung vorlegen müssen.

Der Arbeitgeber hat aber auch das Recht, die Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon vom ersten Tag an zu verlangen. Legt der Arbeitgeber darauf wert, muss man zum Arzt gehen – sonst riskiert man eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung. Dies zeigt, wie ernst die Situation ist und wie vorsichtig man sein muss.

Mythos #3: Arbeitsverbot bis Ende der Krankschreibung

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bedeutet nicht zwangsläufig ein Arbeitsverbot bis zum Ende der Krankschreibung, welches beispielsweise auf dem Mutterschutzgesetz basieren kann. Die AU enthält lediglich die Prognose des Arztes in Bezug auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit.

Dies ist also kein Grund sich länger krankzumelden als unbedingt notwendig. Wenn Sie während des Zeitraumes der Krankschreibung das Gefühl haben, bereits wieder gesund zu sein, sollten Sie nicht bloß an den Arbeitsplatz zurückkehren, sondern es ist sogar Ihre Pflicht.

Der Arbeitgeber darf einen kranken Mitarbeiter, der aufgrund falsch verstandener Solidarität mit den Kolleg:innen seine Gesundheit aufs Spiel setzt, wieder nach Hause schicken. Denn der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern, die sowohl den kranken Mitarbeiter als auch die Mitarbeitenden, die sich potenziell anstecken könnten, betrifft.

Mythos #4: Die Pflicht während der Krankschreibung zu Hause zu bleiben

Viele denken, dass sie zu Hause bleiben müssen, wenn sie krankgeschrieben sind. Das stimmt aber nicht! Arztbesuche oder der Gang zur Apotheke sind natürlich erlaubt.

Einkäufe im Supermarkt, Hinbringen bzw. Abholen der Kinder aus Schule oder Kindergarten, Freizeitbeschäftigungen wie Kino oder Restaurantbesuch und sogar eine Zugfahrt zu den Eltern sind alles Dinge, die man jederzeit tätigen kann. Auch ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft ist erlaubt.

Allerdings gibt es natürlich auch Einschränkungen. Wer krankgeschrieben ist, muss prüfen, welche Tätigkeiten für seine Genesung gut sind und der Heilung nicht schaden. Wer geschwächt ist, kann sich leicht erneut anstecken oder die Symptome verschlimmern.

Grundsätzlich gilt: Während der Arbeitsunfähigkeit ist es erlaubt alles zu machen, was die Heilung nicht verzögert. Jedoch ist es untersagt für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten, da dies eine fristlose Kündigung nach sich zieht.

Mythos #5: Kündigungsschutz während der Krankschreibung

Auch wenn es vielleicht ungerecht erscheinen mag, kann der Arbeitgeber grundsätzlich auch während einer Krankschreibung das Arbeitsverhältnis kündigen. Dies liegt daran, dass das Arbeitsrecht keinen krankheitsbedingten Kündigungsschutz kennt.

Es ist grundsätzlich sogar möglich, dass der Arbeitgeber aufgrund einer Erkrankung die Kündigung ausspricht. In diesem Fall sollte jedoch sorgfältig geprüft werden, ob die Kündigung berechtigt ist. Hierfür gibt es jedoch sehr strenge Voraussetzungen für die Zukunftsprognose: Sie muss negativ ausfallen und eine Ausfallzeit von mindestens sechs Wochen pro Jahr erwartet werden. Dies kann beispielsweise bei Suchterkrankungen der Fall sein.

Andererseits können auch positive Prognosen getroffen werden. Dies ist zum Beispiel bei einer Krebserkrankung möglich, wenn sich die Krankheit im Anfangsstadium befindet und eine erfolgreiche Behandlung vorausgesagt wird.

Mythos #6: Krankschreibung ist erst ab 6 Wochen nach Eintritt möglich

Es gibt keine gesetzliche Regelung, die besagt, dass Sie eine bestimmte Anzahl an Tagen arbeiten müssen, bevor Sie krankgeschrieben werden können. Wenn Sie also krank sind und denken, dass Sie nicht in der Lage sein werden, Ihre Arbeit zu erledigen, müssen Sie Ihren Arbeitgeber so bald wie möglich informieren und sich krankschreiben lassen.

Eine Arbeitsunfähigkeit, die in den ersten sechs Wochen nach Beginn der Erwerbstätigkeit auftritt, wird von der Krankenkasse übernommen.

Wichtig: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müssen Sie selbst bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Dies kann telefonisch, per E-Mail, postalisch oder über das Onlineportal der Krankenkasse erfolgen.

Mythos #7: Mitteilung der genauen Diagnose an den Arbeitgeber

Vor dem Arztbesuch muss der Mitarbeiter lediglich eine subjektive Einschätzung treffen, wie lange seine krankheitsbedingte Abwesenheit dauern könnte.

Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber nach einem Arztbesuch die Prognose für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit mitteilen, die aus der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hervorgeht.

Wichtig: Der Arbeitgeber hat jedoch keinen Anspruch darauf, im Detail zu erfahren, woran der Arbeitnehmer erkrankt ist – dies ist Privatsache.

Schlussbemerkung zur Krankschreibung

Sie können sich darauf verlassen, dass Sie bei einer Erkrankung, einer Verletzung oder eines Unfalles Ihre Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber bzw. Anspruch auf Krankengeld durch Ihre Krankenkasse geltend machen können, wenn Sie sich in einem solchen Fall befinden.

Allerdings sollten Sie bedenken, dass Sie eine Kündigung riskieren, wenn Sie „blau“ feiern.

Leseempfehlung: Anspruch auf Krankengeld durch Krankenkasse

Das Krankengeld ist eine Leistung der Krankenkasse, die jedem Arbeitnehmer zusteht, der infolge einer Erkrankung oder Verletzung arbeitsunfähig ist. Nach der sechsten Woche müssen Betroffene einen Antrag auf Krankengeld bei der Krankenkasse stellen.

In unserem Beitrag „Anspruch auf Krankengeld durch die Krankenkasse“ erläutern wir alle Bedingungen und beantworten häufig gestellte Fragen wie

  • Ab wann erhält man Krankengeld von der Krankenkasse?
  • Erhält man Krankengeld automatisch?
  • Wie wird das Krankengeld berechnet?
  • Wie kann man die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen?
  • Wie ist der Ablauf nach Beantragung des Krankengeldes?
  • Ausnahmen beim Krankengeld: Beamte und Selbständige

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